August 21, 2025

Auch 2025 hat der GKV-Spitzenverband, also der Dachverband der gesetzlichen Krankenkassen, seinen aktuellen Mehrkostenbericht veröffentlicht. Die Botschaft: Immer mehr Versicherte zahlen bei Hilfsmitteln wie Einlagen (PG 08) und Kompressionshilfen (PG 17) drauf, und das sei kritisch zu sehen.
Was auf den ersten Blick wie ein klarer Missstand klingt, verdient bei genauerem Hinsehen eine differenziertere Betrachtung. Hinter den Zahlen stehen Menschen, Betriebe und praktische Herausforderungen. Ein Blick hinter die Kulissen hilft, das komplexe Thema besser einzuordnen.
Laut dem Bericht zahlten im Jahr 2024:
Die Kassen werten das als bedenklich, auch weil die Aufzahlungen im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen sind. Offen bleibt dabei jedoch: Warum steigen diese Mehrkosten überhaupt?
Was in der öffentlichen Diskussion häufig untergeht: Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für Hilfsmittel nicht unbegrenzt, sondern nur bis zu einem sogenannten Festbetrag. Dieser wurde für Einlagen und Kompressionshilfen zuletzt im April 2020 angepasst, also vor mehr als fünf Jahren.
Seitdem sind jedoch:
Kurz gesagt: Die reale Versorgung wird teurer, die Erstattung bleibt gleich.
Wenn ein Hilfsmittel, etwa eine individuell angepasste Einlage oder ein modernes Kompressionsstrumpfsystem, mehr kostet als der von der Kasse festgelegte Betrag, müssen Patienten die Differenz privat übernehmen.
In vielen Fällen sind diese Produkte nicht „Luxus“, sondern entsprechen dem heutigen Standard, etwa durch bessere Passform, höhere Hautverträglichkeit oder längere Haltbarkeit. Dennoch liegt ihr Preis oft über dem veralteten Festbetrag.
Die Kassen stellen sich in ihrer öffentlichen Darstellung häufig so auf, als würden Leistungserbringer unnötige oder überhöhte Aufschläge verlangen. Was dabei jedoch selten erwähnt wird:
Statt pauschal Kritik zu üben, könnten die Krankenkassen:
Die geforderte gesetzliche Meldepflicht für Gründe der Mehrkosten kann dabei helfen, aber nur, wenn sie auch dazu führt, Schwachstellen im System zu beheben und die Verantwortung nicht allein auf Betriebe oder Patienten abzuwälzen.
Die Aufzahlungen bei Einlagen und Kompressionshilfen sind nicht automatisch ein Zeichen von überzogenen Preisen, sondern vielmehr das Ergebnis eines starren Systems, das sich in vielen Bereichen nicht an die wirtschaftliche Realität angepasst hat.
Wer an der Versorgung spart, spart oft nicht am „Luxus“, sondern an der Qualität. Und genau hier braucht es mehr Offenheit und Transparenz und den Willen zur Veränderung.
Quellen: OSTechnik, GKV 7.Mehrkostenbericht
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