Welche Kompressionsklasse ist die richtige? Was dein Rezept dir vielleicht nicht erklärt
- 14. März
- 4 Min. Lesezeit

Viele Menschen erleben nach dem ersten Arztbesuch dasselbe: Ein Rezept für Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 wird ausgestellt, das Sanitätshaus passt die Strümpfe an – und nach wenigen Wochen liegen sie in der Schublade. Nicht weil die Strümpfe nicht helfen würden. Sondern weil sie einfach zu schwer anzuziehen sind.
Das ist kein Einzelfall. Es ist eines der häufigsten Probleme in der Kompressionstherapie. Und es wäre in vielen Fällen vermeidbar.
Warum wird so häufig Klasse 2 verordnet – obwohl Klasse 1 oft reicht?
Bei den verordneten Kompressionsklassen ist Klasse 2 am häufigsten vertreten – ein Muster, das sich seit Jahren durch die Praxis zieht. Dabei empfiehlt die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) ausdrücklich, immer die niedrigste wirksame Kompressionsklasse zu wählen – nicht zuletzt, um die Therapietreue der Patienten zu sichern.
Bei Krampfadern ohne ausgeprägte Ödembildung kann Klasse 1 die Beschwerden bereits vollständig beseitigen. Und: Perfekt sitzende medizinische Kompressionsstrümpfe in der richtigen Klasse können die Rate von Therapieabbrüchen um bis zu 70 Prozent senken. Die richtige Klasse ist also nicht nur eine medizinische, sondern auch eine ganz praktische Entscheidung.
Die vier Kompressionsklassen – wann ist welche sinnvoll?
Klasse 1 (18–21 mmHg) – leichter Druck, oft unterschätzt
Klasse 1 ist die am häufigsten unterschätzte Klasse. Dabei ist sie für einen großen Teil der Betroffenen vollkommen ausreichend – und im Alltag deutlich angenehmer zu tragen.
Geeignet bei: Ersten Besenreißern und leichten Krampfadern ohne Schwellungsneigung · Schweregefühl und müden Beinen am Abend · Vorbeugung in der Schwangerschaft · Langen Reisen und Berufen mit viel Stehen oder Sitzen
Ein wichtiger Praxishinweis: Phlebologin Prof. Dr. Birgit Kahle (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein) verschreibt Klasse 1 besonders auch älteren Patienten, die Schwierigkeiten haben, Klasse-2-Strümpfe anzuziehen, weil sie sich nicht gut bücken können oder unter Arthrose in den Händen leiden. Das trifft auf viele unserer Patienten hier in Waren zu – und wird bei der Rezeptausstellung leider oft nicht berücksichtigt.
Klasse 2 (23–32 mmHg) – mittlerer Druck, häufig verordnet
Klasse 2 ist dann die richtige Wahl, wenn Klasse 1 nicht mehr ausreicht – also wenn das Venenleiden bereits deutlicher ausgeprägt ist.
Geeignet bei: Ausgeprägteren Krampfadern mit gelegentlicher Schwellung · Zustand nach einer Venenthrombose · Oberflächlicher Venenentzündung (Phlebitis) · Nach operativen Eingriffen an den Venen
Der spürbare Unterschied: Das Anziehen erfordert mehr Kraft und Geschick. Wer in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist, stößt hier schnell an Grenzen. In diesem Fall sollte die Klasse unbedingt mit dem Fachbetrieb besprochen werden – auch wenn das Rezept bereits ausgestellt ist.
Klasse 3 (34–46 mmHg) – starker Druck für schwere Erkrankungen
Geeignet bei: Schwerer chronischer Veneninsuffizienz (CVI) · Ausgeprägten Lymphödemen · Wiederkehrenden offenen Beinen (Ulcus cruris) · Schwerem postthrombotischen Syndrom
Das Anziehen in dieser Klasse erfordert fast immer eine Anziehhilfe. Ein KK3-Strumpf fühlt sich beim Anziehen an wie ein sehr festes, widerstandsfähiges Gummiband – das jeden Morgen über den Fuß gezogen werden muss.
Klasse 4 (über 49 mmHg) – Sonderfall
Klasse 4 ist im Alltag selten und bleibt extremen Erkrankungen vorbehalten. Da das Anziehen von Klasse 4 große Schwierigkeiten bereitet, wird wenn immer möglich eine Kombination aus zwei Strümpfen niedrigerer Klassen bevorzugt – etwa Klasse 1 und Klasse 2 übereinander, was in der Wirkung Klasse 3–4 entspricht.
Das wichtigste Prinzip: Ein Strumpf, den du trägst, hilft mehr als einer in der Schublade
Seit 2006 ist die starre Zuweisung einer Kompressionsklasse zu einem bestimmten Krankheitsbild in Deutschland aufgehoben. Die Kompressionsklasse kann seither frei entschieden werden – nicht zuletzt aus Gründen der Compliance.
Das bedeutet: Auch wenn dein Rezept Klasse 2 vorsieht, ist das kein unabänderliches Urteil. Wenn du morgens regelmäßig kämpfst, die Strümpfe überhaupt anzuziehen, ist das ein klares Zeichen, dass etwas angepasst werden sollte.
Dein nächster Schritt
Bei Winzer Fußgesundheit in Waren (Müritz) beraten wir dich ausführlich – zu allen Kompressionsklassen, Modellen, Anziehhilfen und der Frage, welche Klasse für dein individuelles Beschwerdebild wirklich Sinn ergibt. Wir messen dich professionell an und finden gemeinsam den Strumpf, den du nicht nur hast, sondern auch wirklich trägst.
Komm einfach vorbei oder ruf uns an. Eine kurze Beratung kann den Unterschied machen.
Häufige Fragen zu Kompressionsklassen (FAQ)
Welche Kompressionsklasse ist die häufigste?
Klasse 2 wird in Deutschland am häufigsten verordnet. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie immer die richtige Wahl ist. Bei leichten Venenleiden reicht Klasse 1 oft vollständig aus – und ist deutlich angenehmer zu tragen.
Kann ich mit Klasse 1 auch Krampfadern behandeln?
Ja. Bei leichten bis mittleren Krampfadern ohne Schwellungsneigung ist Klasse 1 laut der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie ausdrücklich empfohlen. Die Wirkung ist oft genauso gut – bei deutlich besserem Tragekomfort.
Warum sind Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 so schwer anzuziehen?
Je höher die Kompressionsklasse, desto fester ist das Gestrick – und desto mehr Kraft braucht man beim Anziehen. Wer Rückenprobleme hat, unter Arthrose leidet oder älter ist, stößt bei Klasse 2 schnell an Grenzen. In diesen Fällen kann Klasse 1 die bessere, alltagstauglichere Wahl sein.
Darf mein Arzt Klasse 1 verschreiben?
Ja, alle vier Kompressionsklassen sind in Deutschland verordnungsfähig. Seit 2006 gibt es keine starre Zuweisung mehr. Dein Arzt kann die Klasse frei wählen – am besten in Absprache mit dem Fachbetrieb, der die Strümpfe anpasst.
Übernimmt die Krankenkasse auch Klasse 1?
Ja. Medizinische Kompressionsstrümpfe aller Klassen sind bei ärztlicher Verordnung kassenerstattungsfähig – in der Regel zwei Paar pro Halbjahr.
Wie merke ich, dass meine Kompressionsklasse zu hoch ist?
Wenn du die Strümpfe regelmäßig nicht anziehst, weil es zu mühsam ist, wenn sie einschnüren oder du ständig mit dem Anziehen kämpfst – dann ist das ein deutliches Zeichen. Lass dich neu beraten.
Wo kann ich mich in Waren (Müritz) zu Kompressionsstrümpfen beraten lassen?
Bei Winzer Fußgesundheit in Waren. Wir sind Meisterbetrieb für Orthopädieschuhtechnik und beraten dich persönlich zur richtigen Kompressionsklasse, zur Passform und zu Anziehhilfen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Die Wahl der richtigen Kompressionsklasse sollte immer in Absprache mit deinem Arzt und einem Fachbetrieb für Orthopädieschuhtechnik erfolgen.




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